3. German Cancer Survivors Day im Sony Center Berlin
Engagierte Menschen kamen aus ganz Deutschland nach Berlin und trafen sich im Herzen der Hauptstadt im Sony-Center zum 3. German Cancer Survivors Day. Zu dieser ganz besonderen Veranstaltung begrüßte Prof. Michael Bamberg (Vorstandsvorsitzender der DKS) alle anwesenden Cancer Survivors ganz persönlich. Im Anschluss daran vermittelten in mehreren Gesprächsrunden 14 Frauen und Männer live on Stage ihre persönliche Geschichte und sprachen in sensibel geführten Interviews vor einem interessierten Publikum über ihren ganz persönlichen Umgang mit der Krebserkrankung. In diesem Jahr lag der Fokus zudem auf dem wichtigen Aspekt des beruflichen Wiedereinstiegs und der sozialen Teilhabe.
„Krebs ist längst zur Volkskrankheit geworden und jeder von uns kennt jemanden in der Familie, im Freundeskreis oder im unmittelbaren Arbeitsumfeld mit einer Krebserkrankung“, mit diesen Worten eröffnete Moderator Stephan Pregizer die fast 5 stündige Veranstaltung.
Die persönliche Lebensgeschichte verändert sich schlagartig mit einer Krebsdiagnose. Man ist individuell gefordert seinen persönlichen Zugang zur Erkrankung zu finden und den Umgang mit der Diagnose und der Therapie zu gestalten. Eine Krebserkrankung hat Einfluss auf Partnerschaft, Familie, Freundschaften und den Beruf und somit auch häufig auf die wirtschaftliche Situation.
Die Deutsche Krebsstiftung möchte mit dem jährlich im Juni in Berlin stattfindenden German Cancer Survivors Day (GCSD) dazu beitragen, dass eine Kultur in unserer Gesellschaft entsteht, offen und klar über so existentielle Dinge, wie eine Krebserkrankung reden zu können. Im Zentrum steht dabei, Berührungsängste abzubauen und mehr Verständnis für die Situation der Betroffenen zu schaffen.
Beim GCSD möchte man Menschen die Möglichkeit geben, ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen und anderen oder Neu-Betroffenen somit ganz unterschiedliche Beispiele zum Umgang mit Krebs zu vermitteln. Die Protagonisten stellten dies eindrucksvoll unter Beweis und es gelang dadurch ein Stück Zuversicht zu schenken und Mut zum machen.
Transcript
Herzlich willkommen, meine Damen und Herren, zum dritten German Cancer Survivors Day.Ju00e4hrlich erkranken in Deutschland circa 500000 Menschen neu an Krebs und ich glaube, jeder von uns kennt jemand mit Krebs.
Was wir erleben derzeit, ist ja ein Paradigmenwechsel.Das heiu00dft, was zum ersten Mal passiert, dass Menschen ihre Geschichten auch nach auu00dfen erzu00e4hlen.
Dass sie sich bereit erklu00e4rt haben, heute anderen, die noch betroffen sein ku00f6nnen und werden, auch Mut zu geben und zu sagen, bitte gebt nicht auf.
Weil damit das Wort Krebs zu einem grou00dfen Teil seine Schrecken verliert.
Krebs ist weiterhin tabuisiert, grad in unserer heutigen Leistungsgesellschaft, wo nur der was ist, der von morgens bis abends rackert und funktioniert.Und da ist Krankheit einfach etwas, was Makel ist, das merken wir auch.
Diejenigen, die durch diese Krankheit durch sind, die freuen sich an ihrem Job, dass sie ihn wieder machen ku00f6nnen.Die haben eine ganz hohe Energie, das Leben wieder anzunehmen.Und deswegen sind das, glaube ich, ganz prima Mitarbeiter.
Was erleben Sie im tu00e4glichen Umgang mit diesem Thema?Was braucht's in unserer Gesellschaft, dass wir einen anderen Zugang dazu finden
und
dass wir es auch Krebspatienten leichter machen, ein Teil von unserer Gesellschaft zu sein und nicht stigmatisiert und ausgegrenzt zu sein.
Wir mu00fcssen zunu00e4chst einmal die Betroffenen und die Angehu00f6rigen aus ihrer Isolation rausholen, die Fragen, die sie haben, stellen zu ku00f6nnen, sich dazu Antworten zu suchen, dass wir auch im politischen Umfeld genau diese Diskussion auslu00f6sen ku00f6nnen.
Zunu00e4chst mal ist es wichtig, den Krebs nicht zu stigmatisieren, sondern seine Unsicherheit auch zuzugeben.Man muss versuchen,
da zu spu00fcren und zu schauen, also richtig hinzugucken, was will der?Aber meiden, denk ich, ist das Schlechteste, was man tun kann.
Ich wu00fcrde mir sehr, sehr wu00fcnschen, dass Tumorpatienten einfach voll mit dazugehu00f6ren, u00fcberall sein du00fcrfen, mit und ohne Peru00fccke, sondern einfach, dass wir ganz normaler Bestandteil der Gesellschaft sind und dass wir schu00f6ner Bestandteil der Gesellschaft sind, egal wie wir gerade aussehen.
Krebspatienten, Krebs Survivors wollen nicht mit Classu00e9 Handschuhen angefasst werden.Sie wollen ganz normal weiterleben.
Fu00fcr mich war die Diagnose natu00fcrlich wie alle anderen Boden unter den Fu00fcu00dfen weggezogen und trotzdem eine gewisse Klarheit dar.Ich soll hier was lernen.Ich soll hier was veru00e4ndern.Dass man ein Leben vor der Erkrankung und nach der Erkrankung hat und da muss man echt lernen, damit umzugehen danach.Das hat mir unwahrscheinlich Kraft gegeben.
Das hat mich diese Klarheit, dieses zu spu00fcren gestu00e4rkt.
Und ich sag immer, ich steh jeden Morgen auf, ich guck, wie's mir geht und dann mach ich das, was ich kann und das ist einfach wichtig.
Ich versuche immer klarzumachen, es gibt immer 2 Seiten.Ich kann immer das Positive sehen oder ich kann das Negative sehen oder das halbvolle oder das halb leere Glas.Und ich hab auch immer die Wahl, wie ich's betrachte.Das ist mir einfach ganz wichtig zu sagen.
Es bringt doch nix, hier jetzt Tru00fcbsal zu blasen.Ich muss das Beste draus machen und mal hu00f6ren, was die u00c4rzte sagen, was man tun kann.Wie gesagt, selber nachgelesen, gegoogelt und da liest man aber auch sehr, sehr viel Blu00f6dsinn.
Man hat mir damals nur eine u00dcberlebenschance von grade mal 10 Prozent gegeben.Diese 10 Prozent hab ich die ganzen Monate eigentlich fu00fcr mich alleine behalten.Ich hab weder meinem Mann gesagt noch meiner Mutter.
Ich hab mein Leben vu00f6llig veru00e4ndert.Meine Familie ist auseinandergegangen, hab mich also von meiner Frau getrennt.Ich habe den Wohnort gewechselt.
Ich hab oft die Sinnfrage gestellt, was mach ich hier eigentlich?Ich hab ein unwahrscheinlich erfu00fclltes, gefu00fchltes Leben gelebt, aber hab ich das wirklich gelebt oder bin ich an vielem vorbeigerannt?
Dann hab ich halt angefangen zu laufen, natu00fcrlich schon in der Reha, da mit kleinen Schritten natu00fcrlich.Man muss sich Ziele setzen, klein, aber die erreicht man auch.
Nach und nach kommen immer mehr wissenschaftliche Studien heraus, die zu unterschiedlichen Krebsentitu00e4ten die Bewegung untersucht haben und was man jetzt sagen kann, dass es wirklich eigentlich keinen keinen Zeitraum gibt in der Therapie, wu00e4hrend der Therapie oder nach der Therapie, wo Sport verboten ist, dass man ku00f6rperlich aktiv sein darf und auch sollte.
Durch die ganze Chemo und Therapie hat mich meine Familie ganz, ganz, ganz intensiv begleitet.
Aber ich hatte dann doch das Gefu00fchl, hier reicht mir das Gespru00e4ch mit meiner Frau nicht.Ich will doch mal sehen, wie andere Mu00e4nner in der gleichen Situation mit dem Problem Impotenz umgehen.
Ich hatte am meisten Schiss davor, was passiert, wenn ich jetzt meine Haare verliere.Hat mein Sohn dann wirklich Angst vor der Mama?Erkennt er sie nicht?Ich bin letztendlich, als ich gemerkt hab, es geht los mit ihm zum Friseur, hab mir die Haare komplett abrasieren lassen und er fand's superspannend.
Ich war ja 21, als ich krank geworden bin und die Leute waren einfach oftmals u00fcberfordert, ne.Also wenn jemand 50, 60, 70 ist, darf er eher Krebs haben als so jemand junger, ne.
Ich hab von Interviewpartnern gehu00f6rt, dass die gesagt haben, als mir die Haare ausgegangen sind und erkennbar war, dass ich in Chemotherapie bin, sind Leute am Heimatort auf die andere Strau00dfenseite gegangen, ja nicht mit mir reden zu mu00fcssen.
Also die Erfahrung hab ich gemacht, dass man, wu00e4hrend man in Therapie ist, es viele gibt, die nicht wissen, wie sie mit einem umgehen sollen.
Ich finde, das Thema Krebs immer noch, ja, sehr tabu ist, dass viele daru00fcber nicht so sprechen ku00f6nnen, wollen und deswegen finde ich das wichtig, dass man Hilfe anbieten kann und das vielleicht, dass man dadurch, dass man an die u00d6ffentlichkeit geht, den Menschen Mut machen kann.
Dann stand ich alleine da, hab eine Gruppe gegru00fcndet, denn unter den 70 bis 100000 Selbsthilfegruppen in Deutschland gab es keine zu mu00e4nnlichen Sexualstu00f6rungen.
Und da kann Selbsthilfe so viel erreichen, vor allen Dingen heute mit den modernen Medien.
HPV steht fu00fcr Humanes Papillomvirus.Man muss wissen, dass der Gebu00e4rmutterhalskrebs letztlich eine Viruserkrankung ist.
Wir haben seit Professor Zuhausen den Impfstoff entwickelt hat, tatsu00e4chlich einen ersten Impfstoff gegen eine Krebserkrankung.Aber es ist traurig zu sehen, wie gering die Durchimpfungsrate hier in Deutschland ist.Die Mutter oder
der Vater tragen die Verantwortung.Wollen sich die Eltern irgendwann sagen lassen, wenn die Tochter daran erkrankt, ja, ach, wir haben fru00fcher gedacht, das ist ja nicht so wichtig, dich trifft's bestimmt nicht.
Sie sind aber nicht aufgeklu00e4rt daru00fcber, dass grade diese HPV Impfung eine extrem gut vertru00e4gliche Impfung ist und dass sie letztlich fast nebenwirkungsfrei
Es geht drum, die Mu00fctter zu erreichen, die jungen Mu00e4dchen zu erreichen und fu00fcr dieses Thema zu werben.Deswegen sind wir auch dankbar, dass sie heute das Modell hier haben und das Gebu00e4rmutterhalskarzinom zum Thema gemacht haben.
Zum einen wu00fcnsche ich mir, dass es eine bundesweite Schulimpfung gibt, dass die Regierung sich dafu00fcr einsetzt, dieses Thema sehr publik zu machen, dass wir genu00fcgend Unterstu00fctzer bekommen und dass es diesen Krebs in Zukunft nicht mehr geben muss.
- timer ca. 8 Minuten
- coronavirus Non-Hodgkin-Lymphom Brustkrebs Eierstockkrebs Gebärmutterkrebs Hodgkin-Lymphom Prostatakrebs
-
Mehr erfahren: