Webcast: Leben mit Lungenkrebs
Selbstbestimmt, informiert, unterstützt
Nach der Diagnose Lungenkrebs fühlen sich Patienten und ihre Angehörigen oft zunächst hilflos. Wie können Patienten selbst diese Machtlosigkeit überwinden? Und was können Ärzte und Angehörige tun, um Betroffenen einen selbstbestimmten Umgang mit Lungenkrebs zu ermöglichen?
Die International Association of Lung Cancer hat den Monat November als „Lung Cancer Awareness Month“ (Lungenkrebs-Aktionsmonat) ausgerufen. MSD ging dieser Aufforderung nach, stellte die Krankheit Lungenkrebs im November 2019 in den Mittelpunkt einer Kampagne und produzierte einen Webcast zum Thema.
Der Webcast zum Nachlesen:
Moderator: Hallo und herzlich willkommen meine Damen und Herren, hier aus dem MSD hub in Berlin-Mitte am Alexanderufer. Im Aktionsmonat November wollen wir die Aufmerksamkeit rund um das Thema Lungenkrebs schaffen und laden Sie jetzt ganz herzlich ein, die nächsten 30 Minuten bei unserem Webinar zu Gast zu sein. Mein Leben mit Lungenkrebs, selbstbestimmt, informiert, unterstützt, so lautet unser Thema heute mit folgenden Gästen, die ich ganz herzlich begrüßen darf. Barbara Baysal ist bei uns. Sie ist Vorstand des Bundesverbandes Selbsthilfe Lungenkrebs e. V., herzlich willkommen. Wir haben eingeladen, Maria Menzlaw. Sie ist betroffene Lungenkrebspatienten. Und ich begrüße ganz herzlich Professor Doktor Bernd Schmidt, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und stellvertretender Leiter zertifiziertes Lungenkrebszentrum DRK Klinik in Berlin-Mitte. Das war jetzt ein langer Titel. Herzlich willkommen an sie drei. Und ich darf beginnen mit der Frage, Barbara Baysal an Sie gestellt und auch an Sie Maria Menzlaw. Der Moment der Diagnose, das ist ja erst mal ein großer Schock, wenn man erfährt, man hat Lungenkrebs. Es fühlt sich wahrscheinlich an wie ein Riss durch das bisherige Leben. Frau Baysal, wie haben Sie das in Erinnerung? Wie war das bei Ihnen damals?
Barbara Baysal: Ich konnte es nicht begreifen, weil ich hatte den Sommer vorher bei über dreißig Grad mehrere Stunden Federball gespielt. Also wie man mir dann sagte, da ist was in der Lunge, was nicht hingehört, dachte ich musst doch irgendwie was merken, musst doch schwer Luft kriegen oder wie auch immer. Und bin in die Operation gegangen mit der Diagnose Verdacht auf Entzündung. Bin dann irgendwann aus der Narkose aufgewacht, habe mich so gewundert, warum mein Mann am Bett sitzt und weint. Und irgendwann war ich dann doch etwas mehr wach und die Ärztin war da. Und die sagte mir dann, es tut ihr leid. Es war eine große OP. Es war bösartig und man musste den unteren linken Lungenlappen entfernen und für mich-. Ich habe immer gesagt, es ist als ob mich ein Panzer überfahren hat, weil ich habe es nicht gespürt. Ich habe nichts gesehen, ich hatte nicht gehustet. Habe in meinem Kopf gedacht, ich war doch immer bei der Krebsvorsorge, dass man da woanders guckt, da habe ich überhaupt nicht darüber nachgedacht. Habe fünf Jahre vorher aufgehört zu rauchen, war 44 Jahre alt. Also relativ jung für so eine Diagnose 2001.
Moderator: Kurz zur Orientierung, wann war die erste Diagnose?
Barbara Baysal: 2001, jetzt kann man rechnen. Gut, ich bin jetzt 62. … Hatte dann nochmal 2003 einen Rückfall, der dann doch noch etwas viel, viel heftiger für mich war, weil die erste Aussage war gute Prognose. Wir brauchen nichts weiter machen, alles okay. Und 2003 dann eben ein Rückfall im Mediastinum in der Mitte. War für mich dann wesentlich schlimmer, weil Diagnose kam Freitag mittags um 12:30 Uhr.
Moderator: Und Sie hatten wohl auch eben Familienfest an dem Tag.
Barbara Baysal: Wir hatten ein großes Familienfest. Also es war der 70. Geburtstag meiner Mutter mit auch 70 Gästen und ich hatte keinen-. Es war kein Arzt mehr da, der mir irgendwie was sagen konnte. Es war nur nach dem CT-Bild, dass man gesagt hat, da ist wieder was. Weiß heute nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin. Ich war mit dem Auto da und-.
Moderator: Also eigentlich unverantwortlich, weil völlig allein gelassen?
Barbara Baysal: Ja, also ich habe, musste dann also dieses Wochenende auch-. Irgendwie habe ich es überstanden, wie auch immer. Und dann war dann Montag das erste Gespräch in der Klinik, wo dann eben herauskam nochmal diese komplette Diagnostik durchlaufen und dann kam eben-. Es ist zum Glück weiter nichts da, man würde nochmal operieren. Hat dann nochmal operiert, dann mit Bestrahlung und toi, toi, toi. Seitdem sagen wir mal tumorfrei. Wort Heilung mag ich bei Krebs nicht.
Moderator: Maria Menzlaw, wie war bei Ihnen diese einschneidende Situation? Was erinnern Sie?
Maria Menzlaw: Meine Erstdiagnose war vor 13 Jahren und die war direkt aus dem Berufsleben. Ich war in dem Moment, habe ich gearbeitet und mir fiel immer der Stift aus der Hand und hatte so ein Kribbeln im Arm gehabt. Und habe das aber auf Verspannungen und so was zurückgeführt bis ich auch angefangen habe Sprachschwierigkeiten zu kriegen im Gespräch. Und dann habe ich gesagt ich höre für heute auf und bin zu meiner Hausärztin. Meinte ach ich weiß nicht, ich fühle mich nicht so. Und dann hat sie so Reflexe überprüft und dann bin ich eigentlich in die Klinik in die Notaufnahme. Und dann hat man eben einen Schatten im Kopf entdeckt und dann bin ich quasi in die ganzen Untersuchungen, bis man den Haupttumor in der Lunge gefunden hat. Also ich habe es in dem Moment nicht realisiert. Ich habe ganz lange gesagt ich fliege. Ich bin nicht gelandet. Also auch, wenn man mit mir geredet hat oder mir versucht hat das klarzumachen. Ich habe abgeschaltet. Ich, diejenige, die eigentlich immer klar denken wollte und die gedacht hat, mein Leben sehr geordnet. Ich wollte das nicht hören. Ich wollte das nicht hören was sie vorhatten, wollte ich nicht. Musste das aber, weil es mir immer schlechter ging. Und vor allen Dingen im Kopf, das hat dann gedrückt und ich war dann dadurch gelähmt auf der rechten Seite. Und dann ging alles relativ schnell, erst die Kopf-OP, dann die Lungen-OP und dann bestrahlen und dann die Chemo. Und das Ganze hat ein Jahr gedauert. Und eigentlich hatte ich immer auch den Gedanken, was die Ärzte mir damals gesagt haben. Regeln Sie ihr Leben, und zwar schnell. Und das hat für mich nur eins bedeutet. Es hat keiner gesagt, ich habe nicht mehr so viel Zeit (Moderator: Viel Zeit.). Und habe auch angefangen sehr, sehr schnell mein Leben zu regeln, richtig radikal. Für meine Freunde zu radikal. Die sind gar nicht da hinterher gekommen. Und ja, hatte viele Fragen noch an das Leben und was ich aus heutiger Sicht so für mich sehe, ist, dass sich viel geändert hat. Ich habe das Glück ich lebe 13 Jahre damit. Hatte jetzt zwei Rückfälle gehabt, wo ich nochmal an der Lunge operiert worden bin, Rückschläge. Und ich habe mich so ähnlich gefühlt, aber ich habe es so besser wieder in Griff gekriegt. Ich war ruhiger dabei. Aber erschüttert hat mich auch, weil nach acht Jahren wieder ein Rezidiv zu kriegen das war so. Damit hat keiner gerechnet, auch nicht meine behandelnden Ärzte.
Moderator: Schauen wir gleich nochmal darauf.
Maria Menzlaw: Ja, gerne.
Moderator: Ich würde gern die Frage weiterreichen an Professor Schmidt. Wie erleben sie denn als Arzt diese Situation, diese besondere Situation an Patienten oder einer Patientin diese Diagnose überbringen zu müssen?
Prof. Bernd Schmidt: Das ist ja was ganz Intimes, muss man sagen. Man kommt ja einem anderen Menschen extrem nah. Man kommt an so was Existenzielles, es geht ums Leben. Das ist auch sofort klar. Und ich glaube die größte Herausforderung für uns oder für mich als in der Rolle auch als Arzt ist ein Gespür dafür zu entwickeln was braucht der Patient jetzt, weil wir ja ganz unterschiedliche Aufgaben haben. Wir müssen einerseits natürlich nüchtern, sachlich Informationen vermitteln. Wir müssen auch sicherstellen, dass der Patient Dinge versteht. Wir müssen auf der anderen Seite natürlich auch versuchen zu erspüren welche Informationen braucht der Patient, wie viel Informationen braucht der Patient. Und ich werde nie vergessen Frau Baysal, Sie haben das mal in einer ganz anderen Situation gesagt. Als das Wort Krebs gefallen ist, danach habe ich von dem Gespräch nichts mehr mitbekommen.
Moderator: Konnte gar nicht mehr zuhören.
Prof. Bernd Schmidt: Und ich merke ganz oft, auch wenn ich mit den jüngeren Kollegen solche Gespräche gemeinsam führe, dass wir als Ärzte oft viel zu viel versuchen zu vermitteln. Gerade in einem Erstgespräch und eigentlich in dem Moment ganz viel davon gar nicht ankommt.
Moderator: Liegt es teilweise vielleicht auch daran, dass Sie auch als Arzt, nicht Sie, aber die Ärzte bei so einem schwierigen Gespräch manchmal auch die Stille gar nicht aushalten?
Prof. Bernd Schmidt: Das ist sicherlich ein Problem, was man trainieren kann. Das kann man wirklich üben. Man kann üben zuzuhören. Man kann auch üben zuzulassen, dass man in dem Moment auch keine Worte hat, dass der Patient auch keine Worte hat. Aber das ist etwas, was man sehr bewusst trainieren muss, um da angemessen auch mit umzugehen, weil es eben ja auch nicht bloßstellend oder nicht verletzend sein soll und darf. Aber ich glaube es ist ein wichtiges Moment, wenn man das mal gelernt hat. Wenn man mal gelernt hat, dass man eben auch nicht ständig reden muss, sondern dass ganz viel auch an Vertrauen und an Dingen zwischen Menschen passiert, wenn man auch den Mund hält, dann ist das eine ganz wertvolle Erfahrung, die einem gerade in solchen Grenzsituationen helfen kann.
Moderator: Aus Ihrer Erfahrung heraus, zu welchen Reaktionen kann es kommen bei Patienten und Patientinnen, denen Sie eine so folgenschwere Diagnose, sie haben Krebs, übermitteln?
Prof. Bernd Schmidt: Das ist ja schwer berechenbar. Wir haben ja Menschen, die stehen mitten im Leben. Sie haben das sehr plastisch geschildert. Sie sind sozusagen aus einem aktiven Leben heraus quasi (Moderator: Gerissen.) gerissen und gefällt. Es gibt Menschen, die sind hochbetagt und sind sozusagen am Ende ihres Lebens. Das sind sicherlich sehr unterschiedliche Situationen, mit denen man unterschiedlich auch umgeht, mit denen der Patient unterschiedlich umgeht. Mit denen aber auch wir als Ärzte unterschiedlich umgehen. Und in der Regel ist man überrascht wie gefasst Patienten, zumindest vordergründig gefasst Patienten in dieser Situation sind. Und vieles von dem, was dann als vielleicht auch schweres Paket über die Zeit relevant wird, kommt dann erst. Also dieses wirklich begreifen, was passiert da mit mir, wo stehe ich da, was heißt das eigentlich für mich, ist etwas was sicherlich nicht in einem Erstgespräch wirklich für den Patienten greifbar wird. Und das muss uns als diejenigen, die auch Verantwortung dafür haben Patienten bestmöglich mitzunehmen auf diesem Weg immer wieder klar sein, dass wir diesen-. Das gelingt nicht in einem ersten Gespräch. Wir müssen uns und das versuchen wir inzwischen sehr konsequent, eben nach einem am Anfang sicherlich eher kürzeren Gespräch dann mit den Fragen, die entstehen neu und verbindlich verabredet zusammensetzen und dann überlegen wie geht es jetzt weiter.
Moderator: Darf ich ein bisschen in Ihr Herz schauen? Was macht es mit Ihnen als Mensch, wenn Sie eine solche Diagnose übermitteln?
Prof. Bernd Schmidt: Das berührt einen schon trotz professioneller Distanz, die man braucht, sonst ist man auch nicht gut. Das berührt einen glaube ich immer dann besonders, wenn Krankheitssituation einem selbst nahe kommen. Jüngere Leute, Menschen, die man sympathisch findet, bei denen leidet man sicherlich eher mit. Ich glaube den Weg zu finden zwischen Nähe zum Patienten und einer abgehobenen Distanz ist eine hohe Kunst. Und das ist was, was man jeden Tag neu auch im Umgang mit Patienten ja lernen muss. Und das ist auch etwas, was man natürlich lernen muss mit solchen Diagnosen, mit solchen schweren, oftmals ja doch unglücklich verlaufenden Erkrankungen auch für sich lernen muss, wie gehe ich damit um. Und was mir enorm hilft ist, dass wir erleben dürfen, dass es Patienten eben auch sehr gut gehen kann. Das heißt nicht, dass alle Patienten ewig leben. Sondern das heißt einfach, dass wir Patienten auch in schweren Krankheitssituationen auffangen können und das unabhängig jetzt von den Therapiemodalitäten oder vielleicht auch gar nicht tumorspezifischen Therapien wir für Patienten was Gutes tun können. Und wenn man da eine ich sage mal vernünftige und reale Erwartung auch für sich selber hat, dann kann man diese Erfolge erleben. Und das ist was, was sehr befriedigend sein kann.
Moderator: Bevor wir gleich auf die Unterstützungsangebote und die Möglichkeiten zu sprechen kommen, die Halt geben. Die einem auch vielleicht dazu verhelfen wieder zurück nach diesem Diagnoseschock in ein selbstbestimmtes Leben zu kommen, würde ich ganz gern noch mit Ihnen dreien noch über die Stigmatisierung sprechen, die bei Lungenkrebspatienten ja leider Gottes immer noch stattfinden. Barbara Baysal, wie erleben Sie das in der Selbsthilfe und auch selbst?
Barbara Baysal: Wir haben, wo wir immer oft darüber sprechen immer wieder das Problem, dass in Arztberichten, also in Entlassungsberichten eben Raucher mit drin steht. Trotzdem die Patienten schon seit über zehn Jahren nicht mehr rauchen oder 15 Jahren. Dass, wenn man irgendeinen Arzt aufsucht, manchmal Zahnarzt oder sonst irgendwo mit Behandlung und er fragt nach der Krankengeschichte. In dem Moment wo man sagt Lungenkrebs, kommt automatisch die Frage haben sie geraucht. Denke, man selbst macht es ja auch. Also man hat es irgendwo im Kopf. Aber wir kriegen unseren Stempel immer gleich wieder aufgedrückt. Und da ist viel in den Köpfen der Menschen, ist einfach drin über Lungenkrebs-. Ich sage immer wir sind nicht gesellschaftsfähig mit der Erkrankung, weil automatisch man immer sagt, du bist ja irgendwo selber schuld an dieser Erkrankung. Dass es viele andere Tumorerkrankungen, die auch Ursache des Rauchens sind, da wird nicht darüber gesprochen. Und über den Lungenkrebs wird in dich gesprochen, weil einfach da immer noch so eine Hemmschwelle ist. Lieber nichts sagen, damit geht man nicht an die Öffentlichkeit.
Moderator: Sie haben ja auch mal den Satz geprägt, dass es nicht therapierelevant ist, ob jemand geraucht hat oder nicht.
Barbara Baysal: Genau, wenn es therapierelevant ist, soll man fragen. Dann gehört es dazu, ist richtig. Aber in dem Moment, wo es nicht therapierelevant ist, ist es völlig unwichtig, weil wir-. Ich sage mal wir können die Vergangenheit nicht ändern. Wir können nur die Zukunft verändern.
Moderator: Herr Schmidt, was hören Sie da von Patienten bezogen auf das Thema Stigmatisierung?
Prof. Bernd Schmidt: Ich glaube, Lungenkrebs hat kein gutes Image. Es ist viel cooler einen Herzinfarkt gehabt zu haben als ein Lungenkarzinom. Und das ist ein Problem, was auch uns als Fachleuten zu schaffen macht. Wir haben keine so gute Lobby wie wir sie bräuchten. Aber ich denke, das ist etwas, was sich auch verändert. Das ändert sich auch damit, dass wir auch andere Perspektiven mit dieser Erkrankung gewinnen. Das heißt, wir können glaube ich seit einigen Jahren auch mit komplexeren Behandlungen, mit besserer Organisation unserer Behandlung einfach auch mehr erreichen und teilhaben auch an innovativer Medizin. Und das ist etwas, was uns zumindest in der Behandler-Community ein deutlich höheres Selbstbewusstsein auch gibt, auch offensiv zu sagen bei uns passiert sehr viel im Bereich des Lungenkrebses. Und das kommt am Ende unseren Patienten zugute und wahrscheinlich langfristig auch dem Bild was wir auch als Ärzte sehr häufig von Lungenkrebs und Lungenkrebspatienten haben.
Moderator: Jetzt würde ich ganz gerne nochmal ansprechen und auch ein bisschen Zeit in unserer Runde dafür verwenden was den Patienten helfen kann in ein selbstbestimmtes Leben zurückzukehren oder zurückzufinden nach der Zeit der Diagnose. Und würde ganz gerne Maria, erst mal mit Ihnen dann beginnen, die Rolle des Umfeldes zu besprechen. Also die Unterstützung, die man halten kann. Welche Rolle spielt dabei der Partner, die Partnerin? Wie schaut es mit Familie, Freunden und Kollegen aus? Erzählen sie ein bisschen, wie haben Sie das erlebt?
Maria Menzlaw: Also für mich war die Freunde ganz wichtig, sehr wichtig. Also die haben mich auch gestützt, getragen. Die mussten auch viel aushalten, weil ich auch in dem Moment für mich sehr viel ausprobiert habe. Ich bin selbst an meine eigenen Grenzen gegangen vor der OP und nach der OP eigentlich auch. Und ich habe auch das Gespräch zum Beispiel zu Psychologen gesucht. Mir war vollkommen klar, dass ich Freunde und nähere Verwandten völlig damit überfordere mit meiner tief inneren teilweise Verzweiflung und Fragen, die ich noch an das Leben habe. Das waren für andere-.
Moderator: Zu dem Zeitpunkt vielleicht gar keine Fragen?
Maria Menzlaw: Überhaupt keine Frage gewesen. Und ich war eher so ein Kämpfertyp und die haben gesagt: “Was redest du über den Tod, du kämpfst natürlich.“ Und ich habe gesagt: “Ich kämpfe überhaupt nicht. Ich kann nicht gegen meinen eigenen Körper kämpfen. Wichtig ist, dass ich den wieder fühle, dass ich ein Gefühl dafür kriege.“ Ich weiß was dir guttut, ich weiß was dir guttut. Aber was mir letztendlich guttut, was mir Befriedigung schafft und so, das musste ich erst wieder lernen. Das hat mich selbst etwas erschrocken und mir hat das Gespräch-, ich habe eine Therapie angefangen. Und das hat mir sehr viel geholfen. Die Ärztin damals, die hat mich aus tiefen Löchern und Hilfestellungen auch wo ich die Freunde und Partner auch nicht mehr überfordert habe. Aber so war mir das jetzt oder ist mir auch heute noch sehr wichtig, weil ich immer auch noch Hilfestellung brauche in verschiedenen Situationen, die ich einfach nicht mehr alleine machen kann.
Moderator: Fragen wir Barbara Baysal, wie haben Sie das erlebt? Sie haben zwei Töchter, einen Mann. Wie sind Sie damals in der Familie aufgefangen worden mit der Diagnose?
Barbara Baysal: Ich habe ganz viel über den Krebs gesprochen, weil der war für mich einfach-. In dem Moment, umso öfter ich es ausgesprochen habe, umso einfacher war es für mich ihn zu akzeptieren. Akzeptieren vielleicht das falsche Wort, aber ihn für mich anzunehmen, dass er da ist.
Moderator: Könnte man sagen Sprache schafft da ein Stück Realität?
Barbara Baysal: Ja, ich habe es jedem erzählt, ob er wissen wollte oder nicht. Für mich war es wichtig, mir ging es damit gut. Umso öfter ich darüber gesprochen habe, umso normaler wurde die Erkrankung für mich. Habe natürlich auch erlebt, dass teilweise Leute sich zurückgezogen haben, weil sie nicht wussten wie sie mit mir umgehen sollten. In der Familie war es natürlich teilweise ein Thema, bei den Kindern eher weniger. Die sind auch sehr unterschiedlich damit umgegangen. Eine hat ganz viel gefragt, die andere wollte sich damit gar nicht beschäftigen. Und mit meinem Mann habe ich natürlich viel gesprochen und er hat mich die ganze Zeit auch extrem begleitet. Konnte das auch dienstmäßig gut einrichten, sodass er immer da war. Aber ich konnte mir, habe mir selber irgendwo-. Ich habe meinem Körper nicht mehr vertraut, weil ich immer mal dachte, er hätte mir doch mal ein Zeichen geben müssen.
Moderator: Also nicht. Wie gestalten Sie die Beziehung von Arzt zu Patient in Bezug auf Kommunikation und Information?
Prof. Bernd Schmidt: Das ist ja eine abstrakte Frage. Ich glaube, im Konkreten geht es ganz viel um Vertrauen. Es geht darum zuzuhören. Auch einfach wahrzunehmen, was braucht ein Patient in dem Moment. Und ich glaube wir sind da gut wo wir auch professionell auch in Strukturen Patienten Angebote machen können. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Moment auch in so einer Diagnosephase oder wenn die Diagnosephase abgeschlossen ist. Wo man weiß worüber man redet, dass man dann irgendwo auch eine neue Perspektive schafft. Und neben dem familiären Umfeld gibt es ja ganz viel, was wir Patienten auch anbieten können. Und wir haben ja gelernt, dass über die letzten Jahre Strukturen einfach Patienten auch besser versorgen helfen. Also in Zentrumsstrukturen, die glücklicherweise ja bei uns in Deutschland doch der Alltag sind, können wir eben Ressourcen, Strukturen für die Patienten zur Verfügung stellen, die wertvoll sein können. Das kann der Psychoonkologe sein, das kann der Sozialdienst sein. Das kann vielleicht auch mal die Organisation einer häuslichen Krankenpflege sein und das kann Palliativteam sein. Und ich glaube, wir sind da besser und so geben uns Patienten auch Feedback wo wir sehr frühzeitig manchmal Patienten auch zu einem Moment, wo sie vielleicht Dinge wie Psychoonkologie oder Palliativmedizin gar nicht hören wollen oder gar nichts direkt damit anfangen können, (Moderator: Anfangen können.) damit vertraut machen, was es für Optionen gibt. Was es für Möglichkeiten gibt und was es auch für Möglichkeiten gibt in diesem Rahmen selbstbestimmt agieren zu können und sich die Dinge, die Angebote, die man persönlich nutzen kann dann eben auch umzusetzen.
Moderator: Auch ein Angebot zu machen für den nächsten Schritt? (Prof. Bernd Schmidt: Genau.) Darum geht es doch, glaube ich.
Prof. Bernd Schmidt: Letztlich irgendwo auch ein Netz und einen doppelten Boden sichtbar zu machen, der da ist, um klar zu sagen, Palliativmedizin ist nicht Sterbebegleitung, sondern Palliativmedizin ist zum Beispiel so wie wir das heute ja verstehen, zumindest im Krankenhaus und in solchen Zentren, ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Therapie vom ersten Tag an. Wo wir versuchen die Patienten eben mit den Bedürfnissen, die die gerade haben, aufzufangen. Das kann-.
Moderator: Und da steht Lebensqualität, glaube ich über allem.
Prof. Bernd Schmidt: Da steht Lebensqualität, ist ein Riesenthema. Ich glaube wir haben inzwischen gelernt, dass es Unsinn ist, alle onkologischen Möglichkeiten immer und in jedem Falle auszureizen. Und dass wir besser tun Patienten eben auch zu begleiten, auf sie zu hören und zu schauen, wo sind wirklich deren Bedürfnisse und nicht wo sind vielleicht unsere Profilierungsbedürfnisse.
Moderator: Jetzt haben Sie gerade schon angesprochen, da bleibe ich doch bei Ihnen kurz für einen Moment. Psychoonkologen vor vielen, vielen Jahren echtes Neuland gewesen. Heute glaube ich ein Angebot, dass fast schon Standard ist und Gott sei Dank Standard geworden ist. Die leisten ja ganz großartige Arbeit. Welche Haltung, welche Einstellung haben Sie zu diesem Angebot?
Prof. Bernd Schmidt: Wir haben ja gelernt, dass das enorm hilfreich ist für alle Beteiligten. Das ist für uns als Team hilfreich, weil wir einfach eine Ressource zur Verfügung stellen können, die Zeit am Patientenbett verbringen kann, die zuhören kann, die auch professionelle Hilfestellung geben kann, die auch uns gelegentlich (Moderator: Entlastet.), uns als Ärzte entlastet, aber auch beraten kann. Und da wo es gut funktioniert, versucht man das als Team zu organisieren und miteinander zu überlegen, was ist denn jetzt gerade der Punkt für diesen Patienten. Und das gelingt nicht immer. Oft ist man auch in dem Alltag des Gesundheitssystems nicht immer optimal aufgestellt. Aber da wo wir diese Ressourcen mobilisieren können, merken wir wie gut es funktionieren kann. Und prinzipiell sind diese Ressourcen ja da und ich glaube es ist die Herausforderung für uns diese Ressourcen eben für unsere Patienten so nutzbar zu machen, dass es am besten funktioniert bei immer begrenzten Möglichkeiten.
Barbara Baysal: Und da sind ja nicht nur die Psychoonkologen, sondern die onkologischen Fachschwestern, die in sehr hilfreich sind. Die mittlerweile in den Kliniken-.
Moderator: Onko-Paten, heißen die …
Barbara Baysal: Genau oder Onkolotsen, die dann eben den Teil noch übernehmen, wo Ärzte wenig Zeit haben. Also ich sage mal, wenn man so sagt Händchen halten im Zimmer, nochmal Fragen beantwortet, also mehr präsent sind und-.
Moderator: Vor einiger Zeit in Baden-Württemberg gelernt, da heißen die Brückenschwestern (Barbara Baysal: Genau.) und Brückenbrüder.
Barbara Baysal: Ja, die haben so verschiedene Bezeichnungen, aber das ist der Teil sage ich mal. Der Arzt informiert und behandelt. Und das sind dann die Menschen, die den Patienten auf den Weg durch die Erkrankung ein Stück begleiten. Und ihn dann auch beruhigen können, wenn der Arzt vielleicht nicht im Haus ist oder bei anderen Patienten ist, sodass da immer jemand ist, der den Patienten in dem Moment auffängt, wo es gebraucht wird.
Moderator: Jetzt wissen wir Barbara Baysal ist das Gesicht der Selbsthilfe und engagiert sich seit vielen, vielen Jahren unentwegt und mit großem Herz für Selbsthilfe. Welche Rolle, Barbara Baysal kommt denn der Selbsthilfe hier zu?
Barbara Baysal: Ich sage mal Selbsthilfe kann, also informiert, kann informieren, kann stärken, kann zur Seite stehen, für Patienten einmal eine Information zu kriegen. Vielleicht auch mal andere Patienten zu sehen. Zu sehen man ist nicht alleine mit der Erkrankung. Man ist nicht alleine mit seinen Ängsten. Man kann sich einfach mal austauschen. Man kann die Maske mal fallen lassen, wenn man möchte, man muss nicht. Man kann reden, wenn man will, man muss nicht reden. Man kann aufstehen und herausgehen, wenn es einem nicht-. Es gibt nie den richtigen Zeitpunkt.
Moderator: Wie stelle ich mir so ein Treffen vor?
Barbara Baysal: Viele denken immer es ist ein Kaffeekränzchen. Klar gibt es auch einen Kaffee. Vielleicht gibt es auch ein Kekschen, aber wir sitzen in einer Runde mehr oder weniger und unterhalten uns nicht nur über Erkrankungen. Also wenn jemand Neues dazu kommt, dann stellen sich sagen wir die Alten immer noch mal in Kurzform vor und dann gibt es schon so die ersten Fragen. Du hast auch eine Chemo? Wie war das? Wie lange ist es her? Wie war die Bestrahlung? Wie waren die Nebenwirkungen? Fallen mir die Haare aus? Wo gibt es eine gute Perücke? Und dann kommt es aber zu dem Punkt, wo es dann um Gespräche geht, die mit der eigentlichen Erkrankung nicht mehr so viel zu tun haben, sondern ich sage mal da geht es dann um das normale Leben. Und man mag sich das kaum vorstellen, in der Selbsthilfe wird unheimlich viel gelacht.
Moderator: Also wenn man Sie beide ein bisschen näher kennt und ich tue das, dann weiß man, dass es so ist. Maria Menzlaw, wie erleben Sie Selbsthilfe?
Maria Menzlaw: Als ein sehr positiver Aspekt in meinem Leben. Also ich lebe das auch. Ich habe eine Selbsthilfegruppe in Hannover gegründet damals, weil ich Menschen gesucht habe, denen das Gleiche passiert, die also ähnliche Behandlung oder die gleiche Behandlung. Mit denen wollte ich in Austausch kommen. Ich bin in andere Gruppen gegangen in Hannover und da habe ich aber nicht das gefunden, was ich gebraucht habe. Und deswegen habe ich eine Selbsthilfe aufgebaut und die ist dieses Jahr zehn Jahre alt geworden. Und ich denke, dass wir oder ich weiß, dass wir gute Sachen machen. Gute Anregungen den Menschen geben und das auch ein Stück leben, motivieren und ja.
Moderator: Wie ist es denn mit dem Informationsmaterial, was Sie bereithalten? Ich glaube Sie haben neuerdings auch einen Patientenordner, den Sie anbieten.
Barbara Baysal: Ja, für uns war es wichtig. Ich habe früher immer gesagt, also hilfreich wäre, wenn der Patient auf dem Nachttisch einen Zettel hat, wie geht es weiter. Was passiert jetzt eigentlich? Wir wissen alle es gibt Chemotherapie, gibt Bestrahlung und dieses. Aber was steckt dahinter? Und um da Patienten ich sage mal so ein Stück roten Faden zu geben, haben wir als Bundesverband in Zusammenarbeit mit acht Firmen. Die waren unsere Geldgeber. Der Inhalt ist eben vom Bundesverband von Patienten und Angehörigen erstellt worden so als Erstinformation. Was steckt dahinter? Was bedeutet die Diagnose? Wie wird wer eventuell-. Also welche Behandlungsoptionen gibt es? Was macht Selbsthilfe? Wie ist das mit Schwerbehinderung? Wie ist es mit Sport? Was macht Ernährung? Wo sind hilfreiche Adressen? So als ersten Anhaltspunkt wo man sich ein bisschen informieren kann und wo man dann auch sagen kann, ach da sind Fragen. Die Frage wollte ich meinem Arzt auch immer stellen. Die kann man sich dann da notieren. Man kann seine Untersuchungsberichte mit einfügen, sodass man eine Erstinformation hat, was kommt auf mich darauf zu. Und dann kann man ich sage mal so ein Stück weiter wickeln und sagen, okay da möchte ich mehr Informationen darüber.
Moderator: Also Hilfestellung, Unterstützung auch in der Form von Orientierung?
Barbara Baysal: Ja.
Moderator: Gut.
Barbara Baysal: Und den kann man-. Der ist kostenlos, also den kann man kostenlos anfordern und-.
Moderator: Sehr schönes Angebot. Jetzt möchte ich den Experten noch fragen. Sollte ein Patient auch, um sich ein Bild über seine Erkrankung zu machen, das Internet nutzen oder raten Sie da eher ab?
Prof. Bernd Schmidt: Ich würde keinem Patienten empfehlen und jetzt lesen sie sich mal im Internet durch, was ihre Krankheit ist. Weil ich glaube, dass das für die meisten Patienten schwierig ist. Wir haben unendlich viele Informationen über so eine Erkrankung wie Lungenkrebs verfügbar im Netz und ein Großteil davon ist auch dummes Zeug. Und ich glaube, es ist sehr schwierig in der Situation, in der man vital lebensbedrohlich krank ist, das eine vom anderen zu trennen.
Moderator: Also das Seriöse vom Unseriösen?
Prof. Bernd Schmidt: Das Seriöse vom Unseriösen. Das, was neutrale Information ist, vielleicht auch qualitätsgesichert und überprüft von denen, wo es darum geht Geschäfte zu machen mit der Not und der Sorge und der Angst von Patienten. Und das ist etwas, was sehr schwer ist. Deswegen versuche ich, wenn ich mit Patienten Kontakt habe und von Patienten die Frage bekomme, wo kann ich mich denn informieren. Es gibt ja sehr seriöse Institutionen. Das ist einerseits von der Patientenseite, wo man eben aus der Sicht von Patienten die relevanten Dinge zusammengetragen bekommt. Es gibt sehr gute Informationen der Krebsgesellschaft, die tatsächlich auf einem sehr hohen Niveau und sehr umfangreich Informationen zu Krebserkrankungen aller Art-.
Moderator: Die ja auch in allen Bundesländern mit eigenen Landeskrebsgesellschaften vertreten sind.
Prof. Bernd Schmidt: Ja auch vertreten sind und auch ansprechbar sind. Auch als Struktur ansprechbar sind, wenn man Hilfe braucht.
Moderator: Also wo ein regionaler Bezug da ist, ja.
Prof. Bernd Schmidt: Ja und das ist etwas, was sehr hilfreich sein kann, weil es hilft in Ruhe nochmal zu rekapitulieren, was hat denn der Arzt mir da erzählt. Was ein wichtiger Aspekt ist und das klang vorhin bei Ihnen schon mal an. Und das ist was, wo drauf ich versuche auch zu bestehen, dass Patienten wann immer möglich auch jemanden noch mit dazu holen, wenn es um Kommunikation geht. Weil die vier Ohren auf der anderen Seite des Tisches doch mehr hören und Zwischentöne anders auch hörbar machen, als wenn dann nur ein Patient alleine sitzt. Allein auch mit seiner Angst, mit seinen Sorgen. Auch mit den Missverständnissen, die entstehen mit den vielleicht falsch verstandenen Dingen. Und der sich auch nicht traut vielleicht in der Situation diese Frage zu stellen.
Moderator: Und der Situation, dass er jetzt im Moment vielleicht das gar nicht so hören kann, wie es gemeint ist. (Prof. Bernd Schmidt: Genau.) Okay, das haben wir begriffen.
Prof. Bernd Schmidt: Also das ist etwas, was glaube ich eine große Einladung ist an alle. Und ich glaube, dass das für alle Seiten dieses Prozesses und dieses Weges, den man ja am Ende auch gemeinsam gehen muss, ein ganz großer Vorteil ist.
Moderator: Ein Blick auf die Zeit sagt mir, wir müssen zum Ende kommen. Welchen Erfahrungswert, Barbara Baysal können Sie neu Betroffenen mit auf den Weg geben?
Barbara Baysal: Zu fragen, solange zu fragen bis man die Informationen bekommen hat, die man braucht. Also nicht die Scheu haben und sagen, oh jetzt hat der Arzt keine Zeiten, weil Information ist einfach wichtig. Muss wissen, was kommt auf mich darauf zu. Wie geht mein Weg weiter? Und dann dementsprechend einfach zu gucken, was kann ich für mich tun. Und nicht darauf zu vertrauen-. Mit der Angst wird viel Geld verdient. Das heißt also viele bieten irgendwelche Sachen an für viel Geld, was angeblich Krebs heilt. So was gibt es nicht. Und grundsätzlich alles mit dem Arzt besprechen. Weil dem Arzt, der einen behandelt, sollte man Vertrauen.
Moderator: Also mit der größtmöglichen Offenheit hineingehen in das Gespräch. (Barbara Baysal: Genau.) Gut, Maria Menzlaw, was würden Sie als Erfahrungswert mitgeben?
Maria Menzlaw: Wissen, das ist eigentlich das Wichtigste, was man braucht als Mensch. Und Vertrauen finde ich auch, aber Vertrauen muss wachsen und manchmal hat man das Gefühl man hat die Zeit nicht dazu. Und vielleicht auch durch Missverständnisse ist das manchmal etwas gestört, gerade zu Arzt, Pflegepersonal. Und da nicht irgendwie gleich die Flinte ins Korn, sondern einfach wieder auszuprobieren oder oft mal innezuhalten. Zu sagen, ja tut mir leid. Bin ich vielleicht ein bisschen übergelaufen oder so, dass man einfach zusammen wieder auf dem Boden kommt.
Moderator: Was in so einer Situation absolut nachvollziehbar und verständlich ist.
Maria Menzlaw: Ja absolut, dass man sich Dinge auch erlaubt und viel ausprobieren.
Moderator: Und es auch den anderen erlaubt.
Maria Menzlaw: Ja, den anderen auch, aber das ist dann schwer (lacht).
Moderator: Das ist schwer (lacht). Welchen Erfahrungswert geben Sie zum Schluss noch mit?
Prof. Bernd Schmidt: Ich glaube, dass was die beiden sagen, das Fragen und auch sozusagen diese Scheu überwinden. Es geht um den Patienten. Es geht, wenn ich der Patient bin, geht es um mich und die Befindlichkeiten aller anderen sind erst mal nachrangig. Und auch, wenn es natürlich immer enge Zeitressourcen gibt und alle haben es immer eilig und es gibt immer wichtigere Sachen. Ich glaube, man kann das Selbstbewusstsein haben, dass sich die Anderen dann auch mal nach einem richten so ein Stück weit. Dass man auch einen Anspruch geltend machen kann auf eine verbindliche Verabredung. Ich möchte mich gerne mit Ihnen verabreden. Gut, wenn das jetzt nicht geht, wann können wir uns verbindlich zusammensetzen mit Zeit? Das ist was, was man Patienten auch als Stärkung des Selbstbewusstseins sehr mitgeben sollte und das versuchen wir am Anfang den Patienten immer zu sagen. Ganz vieles, wie gesagt, kommt am Anfang vielleicht gar nicht so an. Und wenn man das lebt, wenn man das versucht zu leben, eben klar zu sagen, ich kann dir selbstverständlich Ressourcen zur Verfügung stellen. Jetzt geht es gerade nicht. Aber um 15:30 Uhr kann ich mich für eine halbe Stunde ans Bett setzen. Da kommt vielleicht noch ein Partner mit dazu. Dann besprechen wir die Fragen, die jetzt wichtig sind und dann ist auch die Zeit da. Und ich glaube diese Verbindlichkeit und die Zuverlässigkeit, das ist etwas, was Patienten in der Krebssituation doppelt und dreifach schätzen und worauf sie sehr angewiesen sind.
Moderator: Was sie benötigen da auch, ja. Barbara Baysal, Sie sind für mich eine großartige Mutmacherin. Deswegen möchte ich mit Ihnen auch gerne das Gespräch oder die Runde beschließen. Sie haben mal vor einiger Zeit gesagt: “Ich habe dem Krebs ein Schnippchen geschlagen und fühle mich als CancerSurvivor.“ Wie ist das gemeint?
Barbara Baysal: Ich sage mal, CancerSurvivor sind alle diejenigen, die eine Diagnose bekommen haben, weil wir leben oder überleben die Erkrankung. Und meine Erkrankung ist jetzt die erste 2001, die zweite 2003 und ich bin immer noch da und Unkraut vergeht-. Ich sage mal, ich bin wie ein kleiner Pilz. Immer, wenn ich rauskomme, kommt irgendwas, schneidet wieder was ab, aber ich komme immer wieder. Und so gehe ich auch mit meinem Krebs um.
Moderator: Dann nehmen wir doch das Stichwort wieder und nehmen das für unsere Verabschiedung. Ich sage ganz herzlich an die Runde, wünsche uns ein gesundes und schönes Wiedersehen. Ich darf mich verabschieden bei Ihnen. Danke für das Interesse und Tschüss bis zum nächsten Mal. Machen Sie es gut.
Transcript
Hallo und herzlich willkommen, meine Damen und Herren, hier aus dem MSD Hub in Berlin Mitte am Alexanderhofer.Im Aktionsmonat November wollen wir die Aufmerksamkeit rund das Thema Lungenkrebs schaffen und laden Sie jetzt ganz herzlich ein, die nu00e4chsten 30 Minuten bei unserem Webinar zu Gast zu sein.Mein Leben mit Lungenkrebs selbstbestimmt, informiert, unterstu00fctzt, so lautet unser Thema heute mit folgenden Gu00e4sten, die ich ganz herzlich begru00fcu00dfen darf.Barbara Beisal ist bei uns.Sie ist Vorstand des Bundesverbandes Selbsthilfe Lungenkrebs e.
V, herzlich willkommen.Wir haben eingeladen Maria Menslaff.Sie ist betroffene Lungenkrebspatientin und ich begru00fcu00dfe ganz herzlich Professor Doktor Bernd Schmidt, Chefarzt der Klinik fu00fcr Innere Medizin und stellvertretender Leiter zertifiziertes Lungenkrebszentrum DRK Kliniken Berlin Mitte.Das war jetzt ein langer Titel, herzlich willkommen an Sie 3.Ich darf beginnen mit der Frage, Barbara Beiserl, an Sie gestellt und auch an Sie, Maria Metzlaf.
Der Moment der Diagnose, das ist ja erst mal ein grou00dfer Schock, wenn man erfu00e4hrt, man hat Lungenkrebs.Es fu00fchlt sich wahrscheinlich an wie ein Riss durch das bisherige Leben.Frau Beizal, wie haben Sie das in Erinnerung?Wie war das bei Ihnen damals?
Ich konnt's nicht begreifen, weil ich hatte den Sommer vorher bei u00fcber 30 Grad mehrere Stunden federbeinig spu00e4t.Also wie man mir dann sagte, da ist was in der Lunge, was nicht hingehu00f6rt, wo ich dachte, ich muss doch irgendwie was merken, ich muss doch schwer Luft kriegen oder wie auch immer.Und bin in die Operation gegangen mit der Diagnose Verdacht auf Entzu00fcndungen.Bin dann irgendwann aus der Narkose aufgewacht, hab mich so gewundert, warum mein Mann am Bett sitzt und weint.Und irgendwann war ich dann doch etwas mehr wach und die u00c4rztin war da und die sagte mir dann, es tut ihr leid, es war eine grou00dfe OP.
Es war bu00f6sartig und man musste den unteren linken Lungenlappen entfernen.Und fu00fcr mich, ich hab immer gesagt, jetzt, als ob mich Panzer u00fcberfahren hat, weil ich hab's nicht gespu00fclt, ich hab nichts gesehen, ich hatte nicht gehustet, ich hab in meinem Kopf gedacht, ich war doch immer bei der Krebsvorsorge, dass man da woanders guckt.Da hab ich u00fcberhaupt nicht dru00fcber nachgedacht, hab 5 Jahre vorher aufgehu00f6rt zu rauchen.War 44 Jahre alt, also relativ jung fu00fcr sone Diagnose.
Wie war die erste Diagnose?
2001.Jetzt kann man rechnen, gut, ich bin jetzt 62.Ich hab's also lange geschafft.Hatte dann noch mal 2003 Ru00fcckfall, der dann doch noch etwas viel, viel heftiger fu00fcr mich war, weil die erste Aussage war, gute Prognose, wir brauchen nix weitermachen, alles okay.Und 2003 dann eben Ru00fcckfall im Medastinum in der Mitte.
War fu00fcr mich dann wesentlich schlimmer, weil Diagnose kam Freitag mittags 12 Uhr 30.
Und Sie hatten auch 'n Familienfest an
dem Tag.
Wir hatten grou00dfes Familienfest.Also es waren der siebzigste Geburtstag meiner Mutter mit auch 70 Gu00e4sten und ich hatte keinen, es war kein Arzt mehr da, der mir irgendwie was sagen konnte.Ich war nur nach dem CT Bild, dass man gesagt hat, da ist wieder was.Ich weiu00df heute nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin.Ich war mit dem Auto da.
Also eigentlich unverantwortlich, weil ich vu00f6llig allein gelassen.
Ja.Also ich musste dann also dieses Wochenende auch irgendwie habe ich es u00fcberstanden, wie auch immer.Und dann war dann Montag das erste Gespru00e4ch in der Klinik, wo dann eben rauskam, wir noch mal diese komplette Diagnostik durchlaufen.Und dann kam eben, es ist zum Glu00fcck weiter nichts da.Man wu00fcrde noch mal operieren, hat dann noch mal operiert, dann mit Bestrahlung und toi toi toi.
Seitdem, ich sage mal, tumorfrei Wortheilung mag ich beim Krebs nicht.
Maria Menslaff, wie war bei Ihnen diese einschneidende Situation?Was erinnern Sie?
Meine erste Diagnose war vor 13 Jahren und die war direkt ausm Berufsleben.Ich war in dem Moment hab ich gearbeitet und mir fiel immer der Stift aus der Hand und ich hatte son Kribbeln in der im Arm gehabt und hab das aber auf Verspannungen und so was zuru00fcckgefu00fchrt, bis ich auch angefangen habe, Sprachschwierigkeiten zu kriegen im Gespru00e4ch.Und dann hab ich gesagt, hu00f6r fu00fcr heute auf und bin zu meiner Hausu00e4rztin und hab gemeint, ach, ich weiu00df nicht, ich fu00fchl mich nicht so.Und dann hat sie so Reflexe u00fcberpru00fcft und dann bin ich eigentlich in die Klinik, in die Notaufnahme.Und dann hat man eben Schatten im Kopf entdeckt.
Und dann bin ich quasi in die ganzen Untersuchungen, bis man den Haupttumor in der Lunge gefunden hat.Also ich habe es in dem Moment nicht realisiert.Hab immer ich hab ganz lange gesagt, ich fliege, ne.Ich bin nicht gelandet.Also auch wenn man mit mir geredet hat oder mir versucht hat, das klarzumachen, ich hab abgeschaltet.
Ich diejenige, die eigentlich immer klar denken wollte und gedacht hat, mein Leben sehr geordnet, ich wollte das nicht hu00f6ren.Ich wollte das nicht hu00f6ren, was sie vorhatten.Wollte ich nicht, ne.Musste das aber, weil's mir immer schlechter ging und vor allen Dingen im Kopf, das hat dann gedru00fcckt und ich war dann dadurch gelu00e4hmt auf der rechten Seite und dann ging alles relativ schnell.Erst die Kopf OP, dann die Lungen OP und dann bestrahlen und dann die Chemo.
Und das Ganze hat ein Jahr gedauert.Und eigentlich hatte ich immer auch den Gedanken, was die u00c4rzte mir damals gesagt haben, regeln Sie Ihr Leben und zwar schnell.Und das hat fu00fcr mich nur 1 bedeutet, es hat keiner gesagt, ich hab nicht mehr so viel Zeit, Und habe auch angefangen, sehr, sehr schnell mein Leben zu regeln, richtig radikal, fu00fcr meine Freunde zu radikal.Die sind gar nicht da hinterhergekommen.Und ja, hatte viele Fragen noch an das Leben.
Und was ich aus heutiger Sicht so fu00fcr mich sehe, ist, dass sich viel geu00e4ndert hat.Ich hab das Glu00fcck, ich lebe 13 Jahre damit, hatte jetzt 2 Ru00fcckfu00e4lle gehabt, wo ich noch mal an der Lunge operiert worden bin, Ru00fcckschlu00e4ge.Und ich hab mich so u00e4hnlich gefu00fchlt, aber ich habe es so besser wieder in Griff gekriegt.Ich war ruhiger dabei.Aber erschu00fcttert hat's mich auch, weil nach 8 Jahren wieder Rezidiv zu kriegen, das war das war so, damit hat keiner gerechnet, auch nicht meine behandelnden u00c4rzte.
Schauen wir gleich noch mal drauf.
Ja.Ich wu00fcrde gern
die Frage weiterreichen an Professor Schmidt.Wie erleben Sie denn als Arzt diese Situation, diese besondere Situation, einem Patienten oder 1 Patientin diese Diagnose u00fcberbringen zu mu00fcssen?
Das ist ja was ganz Intimes, muss man sagen.Man kommt ja einem anderen Menschen extrem nah, man kommt an so was Existenzielles, es geht ums Leben, das ist auch sofort klar und ich glaube die gru00f6u00dfte Herausforderung fu00fcr uns oder fu00fcr mich als in der Rolle auch als Arzt ist, ein Gespu00fcr dafu00fcr zu entwickeln, was braucht der Patient jetzt, weil wir ja ganz unterschiedliche Aufgaben haben.Wir mu00fcssen einerseits natu00fcrlich nu00fcchtern sachlich Informationen vermitteln.Wir mu00fcssen auch sicherstellen, dass der Patient Dinge versteht.Wir mu00fcssen aber auf der anderen Seite natu00fcrlich auch versuchen zu erspu00fcren, welche Informationen braucht der Patient, wie viel Information braucht der Patient und ich werde nie vergessen, Beizay, Sie haben das mal in 1 ganz anderen Situation gesagt, als das Wort Krebs gefallen ist.
Danach habe ich von dem Gespru00e4ch nichts mehr mitbekommen.
Konnte gar nicht mehr zuhu00f6ren.
Und ich merke ganz oft, auch wenn ich mit den ju00fcngeren Kollegen solche Gespru00e4che gemeinsam fu00fchre, dass wir als u00c4rzte oft viel zu viel versuchen zu vermitteln, gerade in einem Erstgespru00e4ch und eigentlich in dem Moment ganz viel davon gar nicht ankommt.
Liegt es teilweise vielleicht auch daran, dass Sie auch als Arzt, nicht Sie, aber die u00c4rzte, bei so bei so schwierigen Gespru00e4ch manchmal auch die Stille gar nicht aushalten?
Das ist sicherlich 'n Problem, was man trainieren kann.Das kann man wirklich u00fcben.Man kann u00fcben zuzuhu00f6ren, man kann auch u00fcben zuzulassen, dass man in dem Moment auch keine Worte hat, dass der Patient auch keine Worte hat.Aber das ist etwas, man sehr bewusst trainieren muss, da angemessen auch mit umzugehen, weil es eben ja auch nicht blou00dfstellend oder nicht verletzend sein soll und darf.Aber ich glaube, es ist wichtiges Moment, wenn man das mal gelernt hat, wenn man mal gelernt hat, dass man eben auch nicht stu00e4ndig reden muss, sondern dass ganz viel auch an Vertrauen und an Dingen zwischen Menschen passiert, wenn man auch den Mund hu00e4lt, dann ist das eine ganz wertvolle Erfahrung, die einem gerade in solchen Grenzsituationen helfen kann.
Aus Ihrer Erfahrung heraus, zu welchen Reaktionen kann es kommen bei Patienten und Patientinnen, denen Sie eine so folgenschwere Diagnose, Sie haben Krebs, u00fcbermitteln?
Das ist ja schwer berechenbar.Wir haben ja Menschen, die stehen mitten im Leben.Sie haben das sehr plastisch geschildert.Sie sind aus einem aktiven Leben heraus quasi gerissen und gefu00e4llt.Es gibt Menschen, die sind hochbetagt und sind sozusagen am Ende ihres Lebens.
Das sind sicherlich sehr unterschiedliche Situationen, mit denen man unterschiedlich auch umgeht, mit denen der Patient unterschiedlich umgeht, mit denen aber auch wir als u00c4rzte unterschiedlich umgehen.Und in der Regel ist man u00fcberrascht, wie gefasst Patienten, zumindest vordergru00fcndig gefasst Patienten in dieser Situation sind.Und vieles von dem, was dann als vielleicht auch schweres Paket u00fcber die Zeit relevant wird, kommt dann erst.Also dieses wirklich begreifen, was passiert da mit mir, wo stehe ich da, was heiu00dft das eigentlich fu00fcr mich, ist etwas, was sicherlich nicht in einem Erstgespru00e4ch wirklich fu00fcr den Patienten greifbar wird.Und das muss uns als denjenigen, die auch die Verantwortung dafu00fcr haben, Patienten bestmu00f6glich mitzunehmen auf diesem Weg, immer wieder klar sein.
Das gelingt nicht in einem ersten Gespru00e4ch.Wir mu00fcssen uns, und das versuchen wir inzwischen sehr konsequent, eben nach einem am Anfang sicherlich eher ku00fcrzeren Gespru00e4ch dann mit den Fragen, die entstehen, und verbindlich verabredet zusammensetzen und dann u00fcberlegen, wie geht es jetzt weiter?
Darf ich ein bisschen in Ihr Herz schauen?Was macht es mit Ihnen als Mensch, wenn Sie eine solche Diagnose u00fcbermitteln?
Das beru00fchrt einen schon trotz professioneller Distanz, die man braucht, sonst ist man auch nicht gut.Das beru00fchrt einen, glaube ich, immer dann besonders, wenn Krankheitssituationen einem selbst nahekommen.Ju00fcngere Leute, Menschen, die man sympathisch findet, bei denen leidet man sicherlich eher mit.Ich glaube, Weg zu finden zwischen Nu00e4he zum Patienten und 1 abgehobenen Distanz ist eine hohe Kunst und das ist etwas, was man jeden Tag neu auch im Umgang mit Patienten ja lernen muss.Und das ist auch etwas, was man natu00fcrlich lernen muss mit solchen Diagnosen, mit solchen schweren, oftmals ja doch unglu00fccklich verlaufenden Erkrankungen auch fu00fcr sich lernen muss.
Wie gehe ich damit Und was mir enorm hilft, ist, dass wir erleben du00fcrfen, dass es Patienten eben auch sehr gut gehen kann.Das heiu00dft nicht, dass alle Patienten ewig leben, sondern das heiu00dft einfach, dass wir Patienten auch in schweren Krankheitssituationen auffangen ku00f6nnen und das unabhu00e4ngig jetzt von den Therapiemodalitu00e4ten oder vielleicht auch gar nicht tumorspezifischen Therapien, wir fu00fcr Patienten was Gutes tun ku00f6nnen.Und wenn man da eine, ich sag mal vernu00fcnftige und reale Erwartung auch fu00fcr sich selber hat, dann kann man diese Erfolge erleben.Und das ist was, was sehr befriedigend sein kann.
Bevor wir gleich auf die Unterstu00fctzungsangebote und die Mu00f6glichkeiten zu sprechen kommen, die Halt geben, die einem auch vielleicht dazu verhelfen, wieder zuru00fcck nach diesem Diagnoseschock in ein selbstbestimmtes Leben zu kommen, wu00fcrde ich ganz gern mit Ihnen dreien noch u00fcber die Stigmatisierung sprechen, die bei Lungenkrebspatienten ja leider Gottes immer noch stattfinden.Barbara Beisal, wie erleben Sie das in der Selbsthilfe und auch selbst?
Wir haben, wo wir oft dru00fcber sprechen, immer wieder das Problem, dass in Arztberichten, also Entlassungsberichten im Raucherabo mit drinsteht, trotzdem die Patienten schon seit u00fcber 10 Jahren nicht mehr rauchen oder 15 Jahren.Dass, wenn man irgend Arzt aufsucht, Zahnarzt oder sonst irgend mit Behandlung und er fragt nach der Krankengeschichte.In dem Moment, wo man sagt, Lungenkrebs, kommt automatisch die Frage, haben Sie geraucht?Denke, man selbst macht's ja auch.Also man hat's irgendwo im Kopf und aber wir kriegen unseren Stempel immer gleich wieder aufgedru00fcckt.
Und da ist viele eben in den Ku00f6pfen der der Menschen jetzt drin u00fcber Lungenkrebs.Ich sag immer, wir sind nicht gesellschaftsfu00e4hig mit der Erkrankung, weil automatisch immer gesagt, Du bist ja irgendwo selber schuld an dieser Erkrankung.Dass es viele andere Tumorerkrankungen gibt, die auch Ursache des Rauchens Da wird nicht dru00fcber gesprochen.Und u00fcber Lungenkrebs wird nicht gesprochen, weil einfach da immer noch sone Hemmschwelle ist, lieber nichts sagen, damit geht man nicht an die u00d6ffentlichkeit und
Sie haben ja auch mal den Satz gepru00e4gt, dass es nicht therapierelevant ist, ob jemand Genau, wenn's hat oder nicht.
Wenn's therapierelevant ist, soll man fragen, dann gehu00f6rt's dazu, wo's richtig.Ist.Aber in dem Moment, wo es nicht therapierelevant ist, ist es vu00f6llig unwichtig, weil wir, ich sage mal, wir ku00f6nnen die Vergangenheit nicht u00e4ndern, wir ku00f6nnen nur die Zukunft veru00e4ndern.
Herr Schmidt, was hu00f6ren Sie da von Patienten bezogen auf das Thema Stigmatisierung?
Ich glaube, Lungenkrebs hat kein gutes Image.Es ist viel cooler, einen Herzinfarkt gehabt zu haben als ein Lungenkarzinom.Und das ist ein Problem, was auch uns als Fachleuten zu schaffen macht.Wir haben keine so gute Lobby, wie wir sie bru00e4uchten.Aber ich denke, das ist etwas, was sich auch veru00e4ndert.
Das u00e4ndert sich auch damit, dass wir auch andere Perspektiven mit dieser Erkrankung gewinnen.Das heiu00dft, wir ku00f6nnen, glaube ich, seit einigen Jahren auch mit komplexeren Behandlungen, mit besserer Organisation unserer Behandlung einfach auch mehr erreichen und teilhaben auch an innovativer Medizin.Und das ist etwas, was uns zumindest in der Behandler Community ein deutlich hu00f6heres Selbstbewusstsein auch gibt, auch offensiv zu sagen, bei uns passiert sehr viel im Bereich des Lungenkrebses und das kommt am Ende unseren Patienten zugute und wahrscheinlich langfristig auch dem Bild, was wir auch als u00c4rzte sehr hu00e4ufig von Lungenkrebs und Lungenkrebspatienten haben.
Jetzt wu00fcrde ich ganz gerne noch mal ansprechen und auch ein bisschen Zeit in unserer Runde dafu00fcr verwenden, was den Patienten helfen kann, in ein selbstbestimmtes Leben zuru00fcckzukehren oder zuru00fcckzufinden nach der Zeit der Diagnose und wu00fcrde ganz gerne, Maria, erst mal mit Ihnen beginnen, die Rolle des Umfeldes zu besprechen, also die Unterstu00fctzung, die man erhalten kann.Welche Rolle spielt dabei der Partner, die Partnerin?Wie schaut das mit Familie, Freunden und Kollegen aus?Erzu00e4hlen Sie ein bisschen, wie haben Sie das erlebt?
Also fu00fcr mich waren die Freunde ganz wichtig, sehr wichtig.Also die haben mich auch geschu00fctzt, getragen.Die mussten auch viel aushalten, weil ich auch in dem Moment fu00fcr mich sehr viel ausprobiert habe.Ich bin selbst an meine eigenen Grenzen gegangen vor der OP und nach der OP eigentlich auch, ne.Und ich habe auch das Gespru00e4ch zum Beispiel zu Psychologen gesucht, ne.
Mir war vollkommen klar, dass ich Freunde und nu00e4here Verwandten vu00f6llig damit u00fcberfordere mit meiner tief inneren teilweise Verzweiflung und Fragen, die ich noch ans Leben habe.Das waren fu00fcr andere
Zu dem Zeitpunkt vielleicht gar keine Fragen.
u00dcberhaupt keine Frage gewesen.Wer Und ich war eher son Ku00e4mpfertyp und die haben gesagt, was redest Du u00fcber den Tod?Das Du ku00e4mpfst natu00fcrlich.Und ich hab gesagt, ich kenn u00fcberhaupt nicht.Ich kann nicht gegen meinen eigenen Ku00f6rper ku00e4mpfen.
Wichtig ist, dass ich den wieder fu00fchle, dass ich Gefu00fchl dafu00fcr kriege.Ich weiu00df, was dir guttut.Ich weiu00df, was dir guttut.Aber was mir letztendlich guttut, ne, was mir Befriedigung schafft und so, das muss ich erst wieder lernen.Das hat mich selbst etwas erschrocken, ja.
Und mir hat das Gespru00e4ch, ich hab eine Therapie angefangen und das hat mir sehr viel geholfen.Die u00c4rztin damals, die hat mich aus tiefen Lu00f6chern und Hilfestellungen auch, ne, wo ich die Freunde und Partner auch nicht mehr u00fcberfordert habe, ne.Und aber so war mir das selbst oder ist mir auch heute noch sehr wichtig, weil ich immer auch noch Hilfestellung brauch in verschiedenen Situationen, die ich einfach nicht mehr alleine machen kann.
Frage mir Barbara Beisal, wie haben Sie das erlebt?Sie haben 2 Tu00f6chter, einen Mann.Wie sind Sie damals in der Familie aufgefangen worden mit der Diagnose?
Ich hab ganz viel u00fcber den Krebs gesprochen, Entschuldigung, der war fu00fcr mich einfach in dem Moment, wo ich's aus umso u00f6fter ich's ausgesprochen habe, umso einfacher war's fu00fcr mich, ihn zu akzeptieren.In Akzeptieren vielleicht das falsche Wort, aber ihn fu00fcr mich anzunehmen, dass er da ist.
Ku00f6nnte man sagen, Sprache schafft da ein Stu00fcck Realitu00e4t?
Ja, ich hab's jedem erzu00e4hlt, ob er's wissen wollte oder nicht.Fu00fcr mich war's welche Mir ging's damit gut.Umso u00f6fter ich dru00fcber gesprochen habe, umso normaler wurde die Erkrankung fu00fcr mich.Ich hab natu00fcrlich auch erlebt, dass teilweise Leute sich zuru00fcckgezogen haben, weil sie nicht wussten, wie sie mit mir umgehen sollten.In der Familie war's natu00fcrlich teilweise Thema, bei den Kindern eher weniger.
Die sind auch sehr unterschiedlich damit umgegangen.1 hat ganz viel gefragt, die andere hat wollt sich damit gar nicht beschu00e4ftigen.Und mit meinem Mann hab ich natu00fcrlich viel viel gesprochen.Er hat mich die ganze Zeit auch extrem begleitet, konnte das auch dienstmu00e4u00dfig gut einrichten, sodass er immer da war.Aber ich konnt mir hab mir selber irgendwo der mein ich hab meinem Ku00f6rper nicht mehr vertraut, weil er weil ich ihm mal dachte, er hu00e4tte mir doch mal Zeichen geben mu00fcssen.
Also nicht.Wie gestalten Sie die Beziehung von Arzt zu Patient in Bezug auf Kommunikation und Information?
Das ist ja eine abstrakte Frage.Ich glaube im Konkreten geht es ganz viel Vertrauen.Es geht darum zuzuhu00f6ren, auch einfach wahrzunehmen, was braucht ein Patient in dem Moment Und ich glaube, wir sind da gut, wo wir auch professionell auch in Strukturen Patientenangebote machen ku00f6nnen.Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Moment, auch in so 1 Diagnosephase oder wenn die Diagnosephase abgeschlossen ist, man weiu00df, woru00fcber man redet, dass man dann irgendwo auch eine neue Perspektive schafft.Und neben dem familiu00e4ren Umfeld gibt es ja ganz viel, was wir Patienten auch anbieten ku00f6nnen.
Und wir haben ja gelernt, dass u00fcber die letzten Jahre Strukturen einfach Patienten auch besser versorgen helfen.Also in Zentrumsstrukturen, die glu00fccklicherweise ja bei uns in Deutschland doch der Alltag sind, ku00f6nnen wir eben Ressourcen, Strukturen fu00fcr die Patienten zur Verfu00fcgung stellen, die wertvoll sein ku00f6nnen.Das kann der Psychoonkologe sein, das kann der Sozialdienst sein, das kann vielleicht auch mal die Organisation 1 hu00e4uslichen Krankenpflege sein und das kann ein Palliativteam sein.Und ich glaube, sind da besser und so geben uns Patienten auch Feedback, wo wir sehr fru00fchzeitig manchmal Patienten auch zu einem Moment, wo sie vielleicht Dinge wie Psychoonkologie oder Palliativmedizin gar nicht hu00f6ren wollen oder gar nichts direkt direkt damit anfangen ku00f6nnen, Damit vertraut machen, was es fu00fcr Optionen gibt, was es fu00fcr Mu00f6glichkeiten gibt und was es auch fu00fcr Mu00f6glichkeiten gibt, in diesem Rahmen selbstbestimmt agieren zu ku00f6nnen und sich die Dinge, die Angebote, die man persu00f6nlich nutzen kann, dann eben auch umzusetzen.
Auch ein Angebot zu machen fu00fcr den nu00e4chsten Schritt.
Genau.Irgendwo auch ein Netz und einen doppelten Boden sichtbar zu machen, der da ist und klar zu sagen, Palliativmedizin ist nicht Sterbebegleitung, sondern Palliativmedizin ist zum Beispiel, so wie wir das heute ja verstehen, zumindest im Krankenhaus und in solchen Zentren, ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Therapie vom ersten Tag an, wo wir versuchen, die Patienten eben mit den Bedu00fcrfnissen, die die gerade haben, aufzufangen.
Und da steht Lebensqualitu00e4t, glaube ich, u00fcberall.
Da steht Lebensqualitu00e4t ist ein Riesenthema.Ich glaube, wir haben inzwischen gelernt, dass es Unsinn ist, alle onkologischen Mu00f6glichkeiten immer und in jedem Falle auszureizen und dass wir besser tun, Patienten eben auch zu begleiten, auf sie zu hu00f6ren und zu schauen, wo sind wirklich deren Bedu00fcrfnisse und nicht wo sind vielleicht unsere Profilierungsbedu00fcrfnisse.
Jetzt haben Sie gerade schon angesprochen, da bleibe ich noch bei Ihnen kurz fu00fcr einen Moment, Psychoonkologen.Vor vielen, vielen Jahren echtes Neuland gewesen, heute glaube ich, ein Angebot, das fast schon Standard ist und Gott sei Dank Standard geworden ist.Die leisten ja ganz grou00dfartige Arbeit.Welche Haltung, welche Einstellung haben Sie zu diesem Angebot?
Wir haben ja gelernt, dass das enorm hilfreich ist fu00fcr alle Beteiligten.Das ist fu00fcr uns als Team hilfreich, weil wir einfach eine Ressource zur Verfu00fcgung stellen ku00f6nnen, die Zeit am Patientenbett verbringen kann, die zuhu00f6ren kann, die auch professionelle Hilfestellungen geben kann, die auch uns gelegentlich uns als u00c4rzte entlastet, aber auch beraten kann.Und da wo es gut funktioniert, versucht man das als Team zu organisieren und miteinander zu u00fcberlegen, was ist denn jetzt gerade, was ist denn jetzt gerade der Punkt fu00fcr diesen Patienten?Und das gelingt nicht immer.Oft ist man auch in dem Alltag des Gesundheitssystems nicht immer optimal aufgestellt.
Aber da, wir diese Ressourcen mobilisieren ku00f6nnen, merken wir, wie gut es funktionieren kann.Prinzipiell sind diese Ressourcen ja da.Und ich glaube, ist die Herausforderung fu00fcr uns, diese Ressourcen eben fu00fcr unsere Patienten so nutzbar zu machen, dass das am besten funktioniert bei
dann eben den Teil noch u00fcbernehmen, wo u00c4rzte wenig Zeit haben.Also ich sag mal, wenn man so sagt Hu00e4ndchenhalten im Zimmer noch mal Fragen beantwortet, also mehr pru00e4sent sind und
Ich hab vor einiger Zeit in Baden Wu00fcrttemberg gelernt, da heiu00dfen die Bru00fcckenschwestern
Genau.Bru00fcckenbru00fcder.Ja, die haben so verschiedene Bezeichnungen, aber das ist der Teil, sag ich mal Arzt informiert und behandelt.Und das sind dann die Menschen, die den Patienten auf dem Weg durch die Erkrankung Stu00fcck begleiten und ihn dann auch beruhigen ku00f6nnen, wenn der Arzt vielleicht nicht im Haus ist oder bei anderen Patienten es so, dass da immer jemand ist, der den Patienten in dem Moment auffu00e4ngt, wo er gebraucht wird.
Jetzt wissen wir, Barbara ist das Gesicht der Selbsthilfe und engagiert sich seit vielen, vielen Jahren unentwegt und mit grou00dfem Herz fu00fcr Selbsthilfe.Welche Rolle, Barbara Beiser, kommt in der Selbsthilfe hier zu?
Ich sag mal, Selbsthilfe kann informieren, kann stu00e4rken, kann zur Seite stehen.Fu00fcr Patienten einmal eine Information zu kriegen, andere vielleicht auch mal andere Patienten zu sehen, zu sehen, man ist nicht alleine mit der Erkrankung, man ist nicht alleine mit seinen u00c4ngsten, man kann sich einfach mal austauschen, man kann die Maske mal fallen lassen, wenn man mu00f6chte.Man muss nicht.Man kann reden, wenn man will.Man muss nicht reden.
Man kann aufstehen und rausgehen, wenn's einen nicht Es gibt nie den richtigen Zeitpunkt.
Wie stell ich mir son Treffen vor?
Ja, viele denken immer, es ist Kaffeekru00e4nzchen.Klar, gibt's auch Kaffee, vielleicht gibt's auch Kekschen.Aber wir sitzen in in in in 1 Runde mehr oder weniger und halten uns nicht nur fu00fcr Erkrankungen.Also wenn jemand Neues dazukommt, dann stellen sich, sagen wir die Alten immer noch mal in Kurzform vor.Und dann gibt's schon so die ersten Fragen.
Du hast auch Chemo.Wie war das?Wie lange ist das her?Wie war die Bestrahlung?Wie waren die Nebenwirkungen?
Fallen mir die Haare aus?Wo gibt's eine gute Peru00fccke?Und dann kommt es aber zu dem Punkt, wo es dann Gespru00e4che geht, die mit der eigentlichen Erkrankung nicht mehr so viel zu tun haben, sondern, sag mal, da geht's dann ums normale Leben.Und man mag sich das kaum vorstellen, an der Selbsthilfe wird unheimlich viel gelacht.
Also wenn man Sie beide ein bisschen erkennt und ich tue das, dann weiu00df man, dass es so ist.Maria Menzler, wie erleben Sie Selbsthilfe?
Als sehr positiver Aspekt in meinem Leben, ne.Also ich lebe das auch, ne.Ich habe eine Selbsthilfegruppe in Hannover gegru00fcndet damals, weil ich Menschen gesucht haben, denen das Gleiche passiert, die die also u00e4hnliche Behandlungen oder die gleiche Behandlung, mit denen wollt ich in Austausch kommen.Ich bin in andere Gruppen gegangen in Hannover und da hab ich aber nicht das gefunden, was ich gebraucht habe.Und deswegen ist eine hab ich eine Selbsthilfe aufgebaut und die ist dieses Jahr 10 Jahre alt geworden.
Und ich denke, dass wir oder ich weiu00df, dass wir gute Sachen machen, gute Anregungen den Menschen geben und das auch Stu00fcck leben.Wie ist es denn Motivieren und ja.
Wie ist es denn mit dem Informationsmaterial, was Sie bereithalten?Ich glaube, Sie haben neuerdings auch einen Patientenordner, den Sie anbieten.
Ja, fu00fcr uns war's war's wichtig.Ich hab fru00fcher immer gesagt, also hilfreich wu00e4re, wenn der Patient aufm Nachttisch Zettel hat, wie geht's weiter?Was passiert jetzt eigentlich?Wir wissen alle, es gibt Chemotherapie, es gibt Bestrahlung und dieses, aber was steckt dahinter?Und da Patienten, ich sag mal, son Stu00fcck roten Faden zu geben, haben wir als Bundesverband in Zusammenarbeit mit 8 Firmen, die waren unsere Geldgeber.
Der der Inhalt ist eben vom Bundesverband von Patienten und Angehu00f6rigen erstellt worden.So als Erstinformation, was steckt dahinter?Was bedeutet die Diagnose?Wie wird wer eventuell Also welche Behandlungsoptionen gibt es?Was macht Selbsthilfe?
Wie ist es mit Schwerbehinderung?Wie ist es mit Sport?Was macht Ernu00e4hrung?Wo sind hilfreiche Adressen so als ersten Anlaufpunkt, wo man sich bisschen informieren kann und wo man dann auch sagen kann, ach, da sind Fragen, die Frage wollte ich mein Arzt auch noch stellen.Die kann man sich denn da notieren.
Man kann seine Untersuchungsberichte mit einfu00fcgen, sodass man eine Erstinformation hat, was kommt auf mich drauf zu?Und dann kann man, ich sag immer son Stu00fcck weiterwickeln und sagen, okay, da mu00f6chte ich mehr Informationen ru00fcber.
Also Hilfestellung, Unterstu00fctzung und auch eine Form von Orientierung.
Ja.Gut.
Und den kann man, der ist kostenlos, also den kann man kostenlos anfordern und
Sehr schu00f6nes Angebot.Jetzt mu00f6chte ich den Experten noch fragen, sollte ein Patient auch, sich ein Bild u00fcber seine Erkrankung zu machen, das Internet nutzen oder raten Sie da eher ab?
Ich wu00fcrde keinem Patienten empfehlen und jetzt lesen Sie sich mal im Internet durch, was Ihre Krankheit ist.Weil ich glaube, dass das fu00fcr die meisten Patienten schwierig ist.Wir haben unendlich viele Informationen u00fcber so eine Erkrankung wie Lungenkrebs verfu00fcgbar im Netz und ein Grou00dfteil davon ist auch dummes Zeug.Und ich glaube, es ist sehr schwierig in der Situation, in der man vital, lebensbedrohlich, krank ist, das eine vom anderen zu trennen.
Also das Seriu00f6se vom unseriu00f6sen.
Vom unseriu00f6sen, das was neutrale Information ist, vielleicht auch qualitu00e4tsgesichert und u00fcberpru00fcft von dem, wo es darum geht Geschu00e4fte zu machen mit der Not und der Sorge und der Angst von Patienten.Und das ist etwas, was sehr schwer ist.Deswegen versuche ich, wenn ich mit Patienten Kontakt habe und von Patienten die Frage bekomme, wo kann ich mich denn informieren?Es gibt ja sehr seriu00f6se Institutionen, das ist einerseits von der Patientenseite, wo man eben aus der Sicht von Patienten die relevanten Dinge zusammengetragen bekommt.Es gibt sehr gute Informationen der Krebsgesellschaft, die tatsu00e4chlich auf einem sehr hohen Niveau und sehr umfangreich Informationen zu Krebserkrankung aller Art ist.
Die ja auch in allen Bundeslu00e4ndern mit eigenen Landeskrebsgesellschaften vertreten Und
auch ansprechbar sind, auch als Struktur ansprechbar sind.
Also unregionaler Bezug da Und
das ist etwas, sehr hilfreich sein kann, weil es hilft, in Ruhe noch mal zu rekapitulieren, was hat denn der Arzt mir da erzu00e4hlt?Was ein wichtiger Aspekt ist und das klang vorhin bei Ihnen schon mal an und das ist was, was worauf ich versuche auch zu bestehen, dass Patienten wann immer mu00f6glich auch jemanden noch mit dazu holen, wenn es Kommunikation geht.Weil die 4 Ohren auf der anderen Seite des Tisches doch mehr hu00f6ren und Zwischentu00f6ne anders auch hu00f6rbar machen, als wenn da nur ein Patient alleine sitzt.Allein auch mit seiner Angst, mit seinen Sorgen, auch mit den Missverstu00e4ndnissen, entstehen, mit den vielleicht falsch verstandenen Dingen und der sich auch nicht traut, vielleicht in der Situation diese Frage zu stellen.
Und der Situation, dass er jetzt im Moment vielleicht das gar nicht so hu00f6ren kann, wie es gemeint ist.Genau.Okay, das haben wir bekannt.
Also das ist etwas, was was glaube ich eine grou00dfe Einladung ist an alle und ich glaube, dass das fu00fcr alle Seiten dieses Prozesses und dieses Weges, den man ja am Ende auch gemeinsam gehen muss, ein ganz grou00dfer Vorteil ist.
Ein Blick auf die Zeit sagt mir, wir mu00fcssen zum Ende kommen.Welchen Erfahrungswert Barbara Beiser ku00f6nnen Sie Neubetroffenen mit auf den Weg geben?
Zu fragen.So lange zu fragen, bis man die Informationen bekommen hat, die man braucht.Also nicht die Scheu haben und sagen, oh, jetzt hat der Arzt keine Seiten.Weil Information ist einfach wichtig.Ich muss wissen, was kommt auf mich drauf zu?
Wie geht mein Weg weiter?Und dann dementsprechend einfach zu gucken, was kann ich fu00fcr mich tun?Und nicht darauf zu vertrauen, mit der Angst wird viel Geld verdient.Das heiu00dft also, viele bieten irgendwelche Sachen an fu00fcr viel Geld, was angeblich Krebs heilt.So was gibt's nicht und grundsu00e4tzlich alles mit dem Arzt besprechen, weil dem dem Arzt, der einen behandelt, sollte man vertrauen.
Also mit der gru00f6u00dftmu00f6glichen Offenheit hineingehen ins Genau.Gut.Maria Menslaff, was wu00fcrden Sie als Erfahrungswert mitgeben?Wissen.Mhm.
Das ist es eigentlich das Wichtigste, was man braucht als Mensch.Und Vertrauen find ich auch, aber Vertrauen muss wachsen.Und manchmal hat man das Gefu00fchl, man hat die Zeit nicht dazu.Und vielleicht auch durch Missverstu00e4ndnisse ist es manchmal etwas gestu00f6rt, grade zu Arzt, Pflegepersonal.Und da nicht irgendwie gleich die Flinte ins Korn, sondern einfach wieder auszuprobieren oder auch mal inne zuhalten und zu sagen, ja, tut mir leid, bin ich vielleicht bisschen u00fcbergelaufen oder so, ne.
Dass man einfach zusammen wieder aufn Boden kommt.
Was in soner Situation absolut nachvollziehbar und verstu00e4ndlich ist.
Absolut, ne, dass man sich Dinge auch erlaubt Ja.Und viel ausprobieren.
Und es auch den anderen erlaubt.
Ja, den anderen, aber das ist dann schwer.
Das ist schwer.Wegen Erfahrungswert geben Sie zum Schluss noch mit.
Ich glaube, das, was die beiden sagen, dass Fragen und auch sozusagen diese Scheu u00fcberwinden, es geht es geht den Patienten.Es geht, wenn ich der Patient bin, geht es mich und die Befindlichkeiten aller anderen sind erst mal nachrangig.Und auch wenn es natu00fcrlich immer enge Zeitressourcen gibt und alle haben es immer eilig und es gibt immer wichtigere Sachen.Ich glaube, man kann das Selbstbewusstsein haben, dass sich die anderen dann auch mal nach einem richten, so ein Stu00fcck weit, dass man auch einen Anspruch geltend machen kann auf eine verbindliche Verabredung.Ich mu00f6chte mich gerne mit Ihnen verabreden.
Gut, wenn das jetzt nicht geht, wann ku00f6nnen wir uns verbindlich zusammensetzen mit Zeit?Das ist was, was man Patienten auch als Stu00e4rkung des Selbstbewusstseins sehr mitgeben sollte und das versuchen wir am Anfang den Patienten immer zu sagen.Ganz vieles, wie gesagt, kommt am Anfang vielleicht gar nicht so an und wenn man es lebt, wenn man es versucht zu leben, eben klar zu sagen, ich kann dir ja selbstverstu00e4ndlich Ressourcen zur Verfu00fcgung stellen, jetzt geht's gerade nicht, aber 15 zu 30 Uhr kann ich mich fu00fcr eine halbe Stunde ans Bett setzen, da kommt vielleicht noch ein Partner mit dazu und dann besprechen wir die Fragen, die jetzt wichtig sind und dann ist auch die Zeit da.Und ich glaube diese Verbindlichkeit und die Zuverlu00e4ssigkeit, das ist etwas, was Patienten in der Krebssituation doppelt und dreifach schu00e4tzen und worauf Sie sehr angewiesen sind.Sie benu00f6tigen auch, ja.
Barbara Beizay, Sie sind fu00fcr mich eine grou00dfartige Mutmacherin, deshalb mu00f6chte ich mit Ihnen auch gerne das Gespru00e4ch oder die Runde beschlieu00dfen.Sie haben ja vor einiger Zeit gesagt, ich habe dem Krebs ein Schnu00e4ppchen geschlagen und fu00fchle mich als Cancer Survivor.Wie ist das gemeint?
Ich sag immer Cancer Survivor sind alle diejenigen, die eine Diagnose bekommen haben, weil wir leben oder u00fcberleben die Erkrankung.Und meine Erkrankung ist jetzt die erste 2001, die zweite 2003 und ich bin immer noch da und Unkrautverkehr.Ich sag mal, ich bin wie kleiner Pilz.Immer wenn ich rauskomme, kommt irgendwas, schneidet wieder was ab, aber ich komme immer wieder.Und so geh ich auch mit meinem Krebs.
Dann nehmen wir doch das Stichwort wieder und vernehmen das fu00fcr unsere Verabschiedung.Ich sag ganz herzlich an die Runde, wu00fcnsche uns ein gesundes und schu00f6nes Wiedersehen.Ich darf mich verabschieden bei Ihnen.Danke fu00fcr das Interesse und Tschu00fcss, bis zum nu00e4chsten Mal.Machen Sie es gut.
- coronavirus Lungenkrebs
-
Mehr erfahren: